Britcore ist ein Subgenre des Hip Hop, das für British Hardcore Hip Hop steht. Der Begriff kam in den frühen 90ern auf (vom Macher des deutschen Hip Hop Magazins MZEE – Ralf Kotthoff) und wurde von der europäischen Szene übernommen (wurde in Magazinen, auf Flyern, Releases, Texten erwähnt). Zwei der frühesten Veröffentlichungen dieses Subgenres waren „Hold No Hostage“ von „Hijack“ und „Bring Forth The Guillotine“ von „Silver Bullet“, beide später als Britcore klassifiziert. Die Mehrheit der Crews kam aus Großbritannien, aber der Hauptmarkt schien das europäische Festland zu sein, insbesondere Deutschland und die Schweiz. So veröffentlichten einige Crews ihre Platten Mitte der 90er auf deutschen Labels (Gunshot, Killa Instinct, First Down, Suspekt, Blade). Der Britcore-Stil wurde von Bands aus anderen Ländern übernommen, hauptsächlich Deutschland und die Niederlande, aber es gab auch Bands in der Schweiz, Belgien und anderen europäischen Ländern, wie Schweden oder Norwegen. Die Texte sind meist auf Englisch, auch von Crews, die nicht aus Großbritannien stammen. Es gab aber auch eine Minderheit von Crews, die in ihrer Muttersprache rappten, zum Beispiel auf Niederländisch oder Deutsch. In Deutschland kam der Begriff Germcore auf, setzte sich aber nicht durch, obwohl die Deutschen ihren eigenen Stil entwickelten und viele Crews ihre Beats überproduzierten und auf Beats bis zu 165 BPM rappten. Mitte der 90er nahm die Unterstützung für die Szene in Großbritannien ab und Ende der 90er war die starke Britcore-Szene auf dem europäischen Festland fast nicht mehr existent. Dank des Internets und der Möglichkeit, das Interesse an Britcore zu bündeln, gab es ein kleines Britcore-Revival und alte Crews wurden wiederbelebt (neue Releases von Killa Instinct, Dookie Squad, The Criminal Minds, Hideouz Newcome, Suspekt, um nur einige zu nennen) sowie einige neue Bands gegründet und Jams erschienen in ganz Europa. Von damals bis heute steht Britcore für Originalität, Kompromisslosigkeit und Aufsässigkeit. Britcore ist wesentlich schneller als „üblicher“ Hip Hop, oft etwa 110-130 BPM oder sogar schneller. Es basiert meist auf Funk-Breaks und verwendet Samples aus Filmen wie Horrorfilmen. Der Rap ist aggressiv und schnell (hauptsächlich männliche Rapper), Zungenbrecher wurden von mehreren MCs verwendet. Die Texte waren überdurchschnittlich politisch, sozialkritisch und oft an das verwendete Filmthema angelehnt (Horror, Krieg usw.). Der Auftritt einer Britcore-Gruppe kann sehr militant sein. Auch DJs bekamen längere Teile zum Scratchen (es wurden sogar spezielle Stile wie „Drills“ geschaffen) als bei „anderen“ Hip-Hop-Tracks, viele Crews hatten mehr als einen DJ (No Remorze, Son Of Noise, Killa Instinct, um nur einige zu nennen). Insgesamt ist Britcore wesentlich aggressiver, dunkler und schneller als anderer Hip Hop. Es ist oft überproduziert (besonders die deutschen Sachen) und aufgrund fehlender Aufnahmemöglichkeiten und mangelndem Geld und/oder Interesse großer Labels und der Musikindustrie oft sehr leise im Sound. Kaum eine Crew erschien auf Major Labels (Hijack, Caveman, Silver Bullet sind einige der sehr wenigen Ausnahmen hier), die meisten Crews waren entweder auf kleinen Independent Labels oder veröffentlichten ihre Releases selbst, das hat sich bis heute nicht geändert.